Leserbrief des Vorstandes des klimafairein Oberhessen

Die Klimakrise als Bedrohung wahrnehmen, die Bundestagswahl zur Klima- und Naturschutzwahl machen

Seit fast zwei Jahren setzt sich der klimafairein aktiv für den Klima- und Umweltschutz ein. Trotz des großen Zuspruchs sei das aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn die Politik müsse endlich aufwachen und handeln.

Als Anfang August in Griechenland, Türkei, Kalifornien und Russland gigantische Waldflächen brannten, wurde der sechste Bericht des Weltklimarates IPCC vorgelegt. 234 Forscher haben jahrelang mehr als 14.000 Fachpublikationen durchforstet, bewertet und diskutiert, ehrenamtlich versteht sich. Dieser Bericht führt allen vor Augen, dass die schrecklichen Niederschläge an der Ahr nur ein fahler Vorgeschmack auf die kommenden verheerenden Unwetter der Zukunft sein werden. Denn diese Starkwetterereignisse werden an Häufigkeit und Intensität deutlich zunehmen, wenn wir es nicht schaffen sollten, das 1,5-Grad-Ziel der UN-Klimakonferenz aus dem Jahr 2015zu erreichen. Seit gut zwei Jahren versucht der klimafairein, auf diese Probleme hinzuweisen, allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Vielmehr versuchen wir, proaktiv durch unsere Pflanz- und Pädagogikprojekte, dem fairkaufswagen/-laden und unseren Social-Media-Auftritten Menschen in unserer Region von einem klimagerechteren Leben zu überzeugen. Trotz des großen Zuspruchs, den unsere Aktivitäten erhalten, ist dies leider nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Politik müsse aufmachen

Letztendlich muss die Politik aufwachen und die Krise als das wahrnehmen, was sie ist: eine Bedrohung unserer Generation. Und vor allen Dingen raubt sie unseren Kindern und Enkelkindern ihre Zukunft. Aktuell leben wir in einer 1,2-Grad-Welt. In zehn Jahren könnten es schon 2 Grad sein. Dies bedeutet, dass Regionen im Mittelmeerraum unbewohnbar werden, hunderttausende Menschen als Klimaflüchtlinge Schutz suchen müssen und irgendwann wir auch in Deutschland nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten haben werden, die Schäden des Klimawandels zu beseitigen. Es geht aber auch anders, und es ist vor allen Dingen noch nicht zu spät, wenn man jetzt handelt und die politischen Rahmenbedingungen für das 1,5-Grad-Ziel setzt. Es kann doch nicht sein, dass man die politischen Gegner für jeden klimapolitischen Vorschlag diskreditiert, aber selbst keine Diskussion über das drängendste Problem unserer Zeit zulässt. Dies vor dem Hintergrund, dass nach einer YouGov-Umfrage für 80 Prozent der Bundesbürger Klimaschutz ein wichtiges Thema ist. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung gibt sogar an, dass sie hierfür ihren Lebenswandel ändern würden. Da der Mensch aber von Natur aus träge ist, muss man für diesen Wandel Anreize setzen. Heute würde in Kneipen immer noch fröhlich weitergeraucht werden, wenn es in den Neunzigerjahren nicht verboten worden wäre. Natürlich gab es einen bundesweiten von der Bild-Zeitung orchestrierten Proteststurm gegen das Verbot. Aber Hand aufs Herz, wer wünscht sich heute noch die Raucherkneipe oder das verrauchte Restaurant zurück? So ist das nunmal mit Veränderungen, manchmal bedarf es gesetzlicher Regelungen oder, negativ ausgedrückt, Verbote, wenn man Dinge zum Besseren verändern möchte.

Mit klugen Ideen agieren

Es ist doch völlig unverständlich, wenn man eine dringend für die Energiewende benötigte Gleichstromleitung von der Nordsee nach Süddeutschland aus Kostengründen ablehnt und gleichzeitig völlig zurecht 30 Mrd. notwendige Fluthilfe zahlt. Es wird Zeit, dass die Politik wieder mit klugen Ideen agiert und nicht, wenn alles zu spät ist, reagiert, um die Folgen hinterher wieder auszugleichen. Wir benötigen Parteien, die konkrete Ideen von einer dekarbonisierten Welt haben. Ja, und diese kann tatsächlich heller, freundlicher, gesünder für uns alle und mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland vereinbar sein. Wir waren schon einmal Weltmeister in der Photovoltaikproduktion, bevor die Förderungen eingestellt wurden und China diesen Rang übernommen hat. In der Windindustrie mussten aufgrund politischer Fehlsteuerungen in den letzten Jahren 26.000 Arbeitsplätze abgebaut werden und damit mehr als in der Braunkohleindustrie überhaupt vorhanden sind. Die Industrie hat in vielen Branchen schon die Zeichen der Zeit erkannt. Beispielsweise plant Audi, ab 2026 keine Verbrennermotoren mehr herzustellen. Alle großen Investmentfonds investieren verstärkt in grüne Wirtschaftszweige, aber gegebenenfalls nicht in Deutschland, wenn hier nicht endlich die politischen Weichen gestellt werden. Deshalb möchten wir als klimafairein zusammen mit vielen großen Naturschutzverbänden wie NABU und WWF alle Wähler dazu aufrufen, für die Partei zu stimmen, die sie am überzeugendsten bei Klima- und Naturschutz findet. Große Worte reichen nicht mehr, wir brauchen Maßnahmen in allen Politikbereichen, um unseren Kindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Eine solche anpackende Bundesregierung kann es nur geben, wenn wir als Wähler die Bundestagswahl am 26. September zur Klima- und Naturschutzwahl machen.

Hier geht es zum Lesebrief im Oberhessen-Live

 

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